Dashcams: private Verkehrsüberwachung auf dem Vormarsch

Bisher nutzen ca. 2% aller Autofahrer in Deutschland eine Dashcam, d.h. sie filmen kontinuierlich die Verkehrssituation aus ihrem Fahrzeug heraus. Eine Studie des Automobil-Club Verkehr (ACV) zeigt nun, dass fast die Hälfte aller Autofahrer (44%) gerne eine Kamera mitführen würde – wenn die Nutzung eindeutig geregelt und damit legal wäre. Denn in der Verwendung von Dashcams werden v.a. Vorteile gesehen.

Videoüberwachung nicht nur während der Fahrt

Diese liegen laut zwei Drittel der Befragten insbesondere in einer eindeutigen Klärung der Schuldfrage bei Unfällen. Zudem sind 30% der Meinung, dass die Videoüberwachung vor einer höheren Prämieneinstufung beim Fahrzeugversicherer bewahren könne. Insgesamt erwarten 27% der deutschen Autofahrer, dass der flächendeckende Einsatz von Dashcams die Sicherheit auf den Strassen erhöhen würde. So gehen etwa 6 von 10 Befragten davon aus, dass vor allem dichtes Auffahren und Drängeln weniger würde.

Doch auch wenn man sich nicht im Verkehr bewegt, werden den Kameras positive Vorteile bescheinigt. So gehen etwa ein Drittel der Befragten davon aus, dass eine Installation vor Vandalismus schützt. Wiederum fast die Hälfte erwartet, dass die Daueraufnahme eine Unfallflucht bei Parkschäden verhindern könne.

Keine Frage des Ob

Dass Dashcams bald zur Standardausrüstung im Strassenvekehr gehören werden, daran hat der ACV keine Zweifel. Eher ist die Frage, ob die Kameras die Unterstützung der Autobauer erfahren und ab Werk fest verbaut werden, oder ob sich die Fahrerinnen und Fahrer mit Nachrüstkits oder mobilen Endgeräten behelfen. Der Nutzen überwiegt allgemein die Bedenken bezüglich der Persönlichkeitsrechte, so die Studie. Daher werde sich die private Videoüberwachung über Kurz oder Lang durchsetzen.

Vorreiter Russland

In der russischen Föderation indessen sind die Kameras weit verbreitet, was unter anderem auf häufige Fahrerflucht und eine korruptionsanfällige Polizei zurückgeführt wird. Die Berücksichtigung als Beweismittel vor Gericht und vergünstigte Prämien bei der Fahrzeugversicherung verstärken deren massenhaften Einsatz. Der Bekanntheitsgrad der Kameras stieg nicht nur Russland mit den zahlreichen Aufzeichnungen des Meteors von Tscheljabinsk, sondern auch mit Zusammenschnitten spektakulärer Verkehrssituationen.

Dashcams in der Schweiz

Zwar verstossen die Kameras laut Bundesamt für Strassen nicht gegen das Strassenverkehrsrecht, allerdings meldete man im Amt des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragen (EDÖB) Bedenken an. Da auf dem Bildmaterial Personen eindeutig identifizierbar sind und diese nicht über die Aufnahmen informiert sind, verstösst der Gebrauch gegen die Grundsätze des hiesigen Datenschutzgesetzes, genauer gegen die Grundsätze der Transparenz und der Verhältnismässigkeit. Es wird daher empfohlen auf den Einsatz zu verzichten. Die Erläuterungen des EDÖB lesen Sie hier.

Quelle: finanznachrichten.de vom 29.1.2016